Mittwoch, 17. Februar 2016

Lani - wie dieses große, liebenswerte Zottelwesen den Weg zu uns fand. Oder wir zu ihr.

Seit der Sache mit den Gaunerzinken, damals im November 2014, ließ mich der Gedanke einen Hund anzuschaffen einfach nicht mehr los. Die Hühner taugen zu so was nix und Kater Konrad macht den ganzen lieben langen Tag nichts anderes als fressen und schlafen. Was auch sonst.
Es blieb mir also nix anderes übrig, als den Ehegatten von einer Fellnase zu überzeugen. Ähm ja. Die Sache mit den Gaunerzinken ist ja schon einige Zeit her, es hat also ganze 12 Monate für sein Einverständnis gebraucht.
Ich klapperte tagein tagaus alle möglichen Annoncen online und offline, auf der Suche nach einem gemischten, kinderlieben, großen, schlappohrigem Hund ab. Und dann lief mir eines Nachts auf dem Bildschirm ein zotteliges Wesen über den Weg. Sie hieß damals noch "Jolie", lebte in Rumänien in einer Zwingerunterkunft einer Tierschutzorganisation mit mehreren Hunden, wurde als sehr lieb und verspielt beschrieben und ehe ich mich umsehen konnte, hüpfte dieses Zottelwesen vom Bildschirm in mein Herz.


Manch einer wird sich nun die Frage stellen, warum um himmelswillen es unbedingt ein "Köter" aus Rumänien sein musste. Hier in Deutschland gibt es doch auch genügend hilfebedürftige Hunde, die ein neues Zuhause suchen. Ich finde diese Frage alles andere als berechtigt, denn für meinen Verstand gibt es keine Grenzen wenn es darum geht, anderen Wesen zu helfen. Ist ein deutsches Hundeleben mehr wert als ein anderes? Außerdem fand ich in der näheren Umgebung keinen Hund, der zu uns passen würde. Entweder stand in den Beschreibungen "nicht in einen Haushalt mit Kindern zu vermitteln", oder "sehr ängstlich und hat noch nicht viel Gutes in seinem Leben erfahren", oder "nur an hundererfahrene Menschen", oder sowas wie "muss noch viel lernen, z.B. dass man nicht beißen darf" oder alles zusammen. Auch mehrere Besuche in Tierheimen halfen nicht weiter.
Welche Fragen ich wirklich nachvollziehen kann, sind zum Bespiel die nach dem Tierwohl. "WAAAAS??? So ein langer Transport??? Das geht doch sicherlich nicht ohne Sedierung der Tiere." "Welche Krankheiten können die wohl einschleppen???" "Flöhe? Würmer? Trallala?"
Diese Fragen schwirrten uns logischerweise auch im Kopf rum. Außerdem wollten wir auf keinen Fall irgendwelche kriminellen Banden unterstützen. Nach einigen Gesprächen, auch persönlichen, konnte die Tierschutzorganisation, die diese Transporte organisiert und dadurch sehr eng mit den Organisationen vor Ort zusammen arbeitet, uns von ihrem Tun überzeugen. Wir vereinbarten Lanis Aufnahme vorerst als Pflegestelle mit der Option, ihr ein Zuhause für immer zu bieten, wenn es zwischen uns passt. So kam es also, dass der Ehegatte und ich uns vor einigen Wochen stundenlang an einem sehr kalten Nachmittag auf einem Parkplatz die Beine in den Bauch standen und auf unsere neue Mitbewohnerin warteten.

Und plötzlich war er da, dieser Transporter, vollbepackt mit mehreren Hunden, deren zukünftige Besitzer aufgeregt und gespannt auf dem Parkplatz an diesem kalten Nachmittag auf die Ankunft warteten.
Wir wurden im Voraus schon darüber informiert, uns ganz leise zu verhalten, keine Quietschgeräuche oder "zähnefletschendes" Grinsen von uns zu geben. Das ist gar nicht so leicht, kann ich euch sagen, in dem Moment als die Transportertür geöffnet wurde und wir unsere neue Mitbewohner sofort erblickten. Da saß sie also in einem kleinen Käfig, verängstigt hechelnd und fragend aus ihren rehbraunen Kulleraugen blickend.


Die Damen von der Tierschutzorganisation halfen ihr vorsichtig aus dem Transporter und übergaben uns die Hundedame. Wir gingen still und leise einige zarte Schritte mit ihr über den Parkplatz, bis sie sich vor uns hinlegte und sich erst einmal ausgiebig streicheln ließ. Vom Ehegatten.


Sie war völlig geschwächt und müde und musste sich nun auf uns einlassen.
Nach einiger Zeit, einigen Schritten, einigen Streicheleinheiten und einigen Entleerungen machten wir uns auf den Heimweg.
Die kommenden Tage waren sehr anstrengend. Lani stank so sehr, sodass wir sie (nach Absprache mit der Tierärztin) mehrmals duschen und passendes Futter finden mussten. Sie war in einem leicht unterernährtem Zustand, außerdem kannte sie keinerlei Kommandos, geschlossene Wohnräume und Treppen (beides bereitete ihr viel Angst). Lani liebte es aber von Anfang an, in unserer Nähe zu sein, sie ließ sich ausgiebig streicheln, verspeiste 100000 Leckerlis und wurde mein Antrieb zum mehrmals täglichen Spazierengehen. Nach einigen Tagen wurde aus dem stinkenden Zottelwesen ein hübsches, nach Hund riechendes, mutiges, lernwilliges Zottelwesen, das wir nie wieder gehen lassen wollten.














Klaro, das war ein riesengroßes Abenteuer, auf was wir uns einstellen mussten, aber wir wären definitiv um eine riesengroße Erfahrung und Bereicherung ärmer, hätten wir uns der Sache mit dem Hund nicht gestellt. Lani ist ein großes Glück, da sind wir uns ganz sicher.
Ich kann auch an dieser Stelle keine Empfehlungen abgeben. Sich ein Tier anzuschaffen, muss immer sehr gut und genau überlegt werden.










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